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Das innere Kind heilen - wie geht das?


Kennst du die innere Stimme in dir, die dich zurückhält? Die mal trotzig oder wütend, manchmal aber auch traurig und verzweifelt ist. Und die dazu führt, dass du Projekte nicht angehst, nach denen du dich sehnst. Weil es sich irgendwie so schwer und mühsam anfühlt. Und unbezwingbar. Ich möchte dir heute Geschichte erzählen, wie du lernst dein inneres Kind auf deine Seite zu holen.





Ich liege entspannt in der Endentspannung im Yoga. Mein Körper ist ganz weich, jeder Muskel locker, ein Gefühl der kompletten Harmonie von Körper, Geist und Seele. Gerade als ich mir wünsche für immer hier zu verweilen spüre ich wie meine Oberschenkel sich zusammenziehen, eine Spannung zwischen den Schulterblättern entsteht, mein Kiefer eng wird und mein Kopf vor lauter Druck schmerzt. Ein Gefühl, das ich die letzten Tage sooft erfahren durfte, ohne zu verstehen woher es kommt. Gerade als ich genervt die Entspannung verlassen will, höre auf einmal Lea, meine innere Weisheit sagen: „Bleib. Schau einfach hin. Es ist okay.“ Und so bleibe ich bewegungslos liegen und lausche nach innen.


Und da höre ich auf einmal Maria wohlbekannte Stimme. Sie klingt aufgebracht, als sie sagt: „Es reicht. Los jetzt. Wir haben schon sooft besprochen, dass du dich nicht immer so aufführen kannst. So wird nie was aus dir.“ Ich frage mich gerade, mit wem sie spricht, als ich hinter ihr Anna, mein inneres Kind, erblicke. Sie sitzt auf dem Boden und ihr Gesicht ist hasserfüllt, als sie sagt: „Lass mich endlich in Ruhe! Ich einfach nur spielen!!!“ Marias Stimme wird laut, als sie entgegnet: „Anna, steh auf und komm jetzt mit mir mit. Ich meine es ernst!!“ Tränen strömen über Annas Wange und sie brüllt: „Nie verstehst du mich. Ich will nicht. Geh weg! Ich mag nicht mehr!!“ Maria ist verzweifelt. Sie dreht sich um und sagt genervt: „Kann mir bitte mal jemand helfen hier?“ Karli, meine Wut und Anja, meine Unzufriedenheit wollen gerade zur Hilfe eilen, als auf einmal eine leise und sanfte Stimme aus dem Nichts ertönt: „Darf ich einmal mit ihr reden?“


Alle drehen sich in die Richtung, aus der die Stimme gekommen ist. Und da steht auf einmal Renée, meine Liebe. Ihr Blick ist weich und so voller Sanftmut, dass Maria einen Schritt zurückmacht und ihr deutet, sie es gerne probieren kann. Alle beobachten gespannt das Geschehen. Es ist auf einmal ganz still im Raum. Neugierig warten alle Renées Worte. Doch sie schweigt einfach nur und setzt sich neben Anna auf den Boden. Sie lächelt sie an. Ihr Lächeln steckt so voller Liebe, dass Maria beschämt wegblickt, weil sie den Anblick nicht erträgt. Anna hört auf zu weinen und blickt vom Boden auf. Doch auch sie hält diesem liebevollen Blick nicht Stand und wendet den Blick schnell wieder verunsichert ab. Renée lächelt weiter und wirft Anna einen liebevollen Blick zu. Dann legt sie einen Arm und Annas Schultern und sitzt einfach nur da und sieht sie an. Schweigend und lächelnd. Alle sind gebannt und warten was passiert. Keiner weiß wie lange die beiden einfach nur dasitzen und schweigen – Maria kommt es wie eine halbe Ewigkeit vor.


Und dann öffnet auf einmal Anna den Mund und bricht das Schweigen. Ihre Stimme ist ganz leise, sie flüstert fast: „Danke…Endlich versteht mich jemand.“ Renée lächelt noch liebevoller, als sie fragt: „Was kann ich für dich tun, damit es dir besser geht?“ Anna blickt verlegen und schweigt eine ganze Weile. Renée wartet geduldig. Sie wendet ihren Blick keine Sekunde ab, schenkt Anna ihre ganze Aufmerksamkeit. Und dann bricht Anna das Schweigen wieder und sagt kleinlaut: „Ich weiß es nicht. Ich glaube ich möchte einfach nur gesehen werden, so wie ich bin. Ohne, dass jemand von mir erwartet, dass ich weiter sein muss, als ich bin. Ich will doch einfach nur spielen.“ Tränen kullern über Annas Wangen. Sie wirkt beschämt von ihren Worten. Doch als sie Renées wertschätzenden und liebevollen Blickt sieht, muss auch sie lächeln und sagt auf einmal: „Ich glaube Marias Vorschläge sind oft gar nicht so schlecht. Aber ich mag einfach nicht herumkommandiert werden. Maria ist immer so ernst und streng. Das macht einfach keinen Spaß mit ihr. Da bleib ich lieber allein hier sitzen, das ist lustiger, als mit ihr zu spielen.“


Renée schmunzelt und drückt Anna liebevoll an sich. Als Maria das sieht bleiben ihr die anklagenden Worte im Hals stecken und sie schweigt einfach nur. Und dann flüstert Renée Anna etwas ins Ohr. Die überlegt kurz, grinst dann aber und springt begeistert auf. Sie nimmt Renées Hand und die beiden gehen auf Maria zu. Je näher sie kommen, desto mehr von Annas Unbeschwertheit verschwindet. Sie würde am liebsten umkehren, doch Renées aufmunternder Blick veranlasst sie weiterzugehen. Sie steht lange vor Maria und schweigt. Maria verkneift sich ihre Worte, auch wenn es ihr schwer fällt.


Als Renée Anna aufmunternd zulächelt, spricht sie endlich: „Möchtest du mit uns gemeinsam spielen, Maria?“ fragt sie kleinlaut. Renées Lächeln wird noch wärmer und lässt auch Maria nicht mehr kalt. Und sie nickt sie einfach nur dankbar. Anna nimmt sie an die Hand und geht eine Weile zwischen Maria und Renée. Auf einmal lässt sie ihre Hände los und läuft quietschvergnügt in die Richtung, in die Maria sie schon lange mit ihr gehen möchte. Es scheint als könne es ihr jetzt nicht schnell genug gehen. Maria blickt Renée verdutzt an und fragt: „Was hast du ihr ins Ohr geflüstert?“ Renée lächelt und schweigt. Nach einiger Zeit sagt sie: „Das würdest du nicht verstehen.“ Maria muss auf einmal auch lächeln und nickt. Und dann gehen sie schweigend weiter und blicken Anna nach. Beide lächeln sie, als sie Anna so strahlen sehen. Und auf einmal ist es gar nicht mehr in mir und auch ich muss lächeln.

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