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Die eigene Mitte finden

Aktualisiert: Jan 29

Wie gut bist du in deinem Leben in Balance? Findest du immer das richtige Maß für etwas oder pendelst du ständig zwischen zu viel und zu wenig hin und her? Heute machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach der eigenen Mitte.


Alles oder nichts.


Ich neige zu Extremen: Alles oder nichts. Großartig oder scheiße. Die komplette Heilung oder mein sofortiger Tod. Und ich mag es gerne bunt. Ich liebe die Abwechslung und viele Dinge begeistern mich. Ich fange sehr schnell Feuer und Flamme für etwas und steigere mich dann auch gerne mal komplett in etwas hinein. Bis irgendwann der Punkt kommt, wo mir alles zu viel wird und ich komplett ins Drama verfalle. Dann rede ich mir ein, dass ich mir viel zu viel zugemutet habe und schwanke ins komplette Gegenteil: Es gar nicht mehr zu machen oder mich komplett zu schonen.


Dieses Phänomen hab ich in den letzten Jahren schon sehr oft durchgemacht. Allerdings ist es noch gar nicht so lange her, dass ich das zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe. Ich war immer überzeugt, dass ich einen Fehler gemacht habe, mich geirrt habe und mir deswegen auf einmal alles zu viel geworden ist. Und ich daher das nächste Mal unbedingt besser aufpassen muss. Womit wir wieder bei der Angst vor den Fehlern wäre (siehe dazu den Beitrag 7 Sünden - oder unsere Angst etwas falsch zu machen)



Die eigene Mitte finden

Der Grat zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig ist sehr schmal bei mir.

Das hat mich lange zur Verzweiflung gebracht. Ich wollte so gerne Stabilität und Kontinuität. Und gleichzeitig hatte ein Teil von mir Angst, dass das furchtbar langweilig werden könnte. Dabei habe ich übersehen, dass Stabilität nicht gleich Stillstand bedeutet. Dass Kontinuität nicht gleich Langeweile bedeutet. Ich dachte immer, dass ich die EINE Lösung finden muss, um in meiner Mitte zu sein. Habe den heiligen Gral gesucht, der mich erlöst von dem Pendel zwischen Zuviel und Zuwenig. Wollte das Thema gerne abschließen. Sicherheit haben, dass es immer so ist.


Was ich dabei übersehen habe? Dass das Leben so nicht funktioniert.

Kein Lernprozess ist je abgeschlossen. Wann immer wir etwas gelernt haben, dann kommen wir auf die nächste Stufe und dürfen unser Wissen vertiefen.

Bekommen neue Herausforderungen, um zu wachsen (siehe dazu den Beitrag: Von den Höhen und Tiefen einer Veränderung).


Denn sonst haben wir Stagnation, Stillstand. Und da ist ein ziemlicher Unterschied zur Stabilität und zur Mitte.



Stabil und flexibel wie ein Baum


Ich mag hier das Bild von einem Baum sehr gerne. Ein Baum ist stabil. Durch seine Wurzeln ist er gut verankert im Boden. Und doch steht er niemals still. Jeder Windzug bringt Bewegung in seine Blätter, Äste und manchmal sogar in seinen Stamm. Er bewegt sich in alle Richtungen, ist flexibel und gleichzeitig gut geerdet und stabil.


Und so ist das auch bei uns Menschen.

Wenn wir uns ein gutes Fundament aufbauen, eine Basis, die uns Kraft und Halt gibt, dann können wir ganz flexibel auf alle Veränderungen des Lebens reagieren. Uns wie der Baum im Wind bewegen ohne dabei je unseren Halt und unsere Mitte zu verlieren.

In Balance sein, bedeutet in Bewegung zu bleiben.


Meine Yogapraxis lehrt mir diese Prinzip sehr gut. Denn sie fordert mich heraus – immer und immer wieder. Immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich Übungen verstanden habe, dass ich jetzt weiß wie mein Körper funktioniert und wie ich alle Übungen machen kann für mich, dann passiert etwas. Es kommen Schmerzen oder ich bin erschöpft und habe keine Lust mehr auf die Praxis.


Ich habe mich sehr lange gefragt, was ich falsch gemacht habe, dachte immer, dass ich es übertrieben habe.

Bis ich verstanden habe, dass das Leben mich darauf hinweist, dass ich gerade wieder den Stillstand anstrebe.

Die Sicherheit, bei der ich alles genau kontrollieren und planen kann. Und so bekomme ich neue Herausforderungen, damit ich flexibel bleibe und wachse.


Damit ich die Neugier und Achtsamkeit wiederentdecke, die ich habe, wenn ich etwas neu beginne. Damit ich spielerisch meine Grenzen erkunde. Damit ich neue Wege finde, um meine Praxis auf neue Art und Weise zu erleben. Um voller spielerischer Leichtigkeit zu erkennen, dass jeder Augenblick einzigartig ist und es jeden Tag soviel Neues zu entdecken und erforschen gibt.


Und so hilft mir mein Körper dabei, zu wachsen. Er zeigt mir, wenn ich unflexibel und starr geworden bin und zwingt mich, meine Komfortzone zu verlassen, um neue Erfahrungen zu machen.

Auf diesem schmalen Grat zwischen Überforderung und Unterforderung zu tanzen. Ihn neugierig zu erkunden. Und einen Weg zu finden, wie sich scheinbare Widersprüche vereinen lassen.

Denn das Leben ist niemals ein Entweder-Oder, sondern immer ein Sowohl-als-auch. Ich muss mich nicht entscheiden zwischen Bewegung und Ruhe, Stabilität und Flexibilität, Mut und Achtsamkeit, Neugier und Sicherheit.

Ich kann in der Bewegung die Ruhe finden, durch die Flexibilität Stabilität erreichen, mutig und achtsam zugleich sein und durch meine Neugier Sicherheit erlangen.

Alleine dieser Gedanke zaubert ein Lächeln in mein Gesicht. Weil es mir meine Angst nimmt, dass es in der Mitte so furchtbar langweilig ist. Denn das muss es nicht sein. Ich darf jeden Moment neu erleben, mich neu entscheiden und frei sein. Wenn ich an einem Tag müde bin und Erholung brauche, heißt das nicht, dass das was ich am Vortag gemacht habe zuviel war. Es heißt nur, dass heute eben Entspannung dran ist. Und ich neugierig sein darf, was mir der nächste Tag bringt. Ein schönes Gefühl.



Heutige Übung:


Ich möchte dich heute einladen neugierig deine Grenzen zu erforschen. Zu beobachten, wie gut es dir gelingt auf dem Grat zwischen dem Zuviel und Zuwenig zu tanzen. Ob du deine Mitte schon gefunden hast oder ob du noch zwischen Überforderung und Unterforderung herumhüpfst. Sei neugierig wie ein kleines Kind und sei liebevoll und geduldig mit dir selbst. Das Leben ist ein Spiel – genieße es! 😄



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