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Die Geschichte von der Angst

Die Angst ist gerade allgegenwärtig: Die einen fürchten sich davor krank zu werden oder jemand anderen anzustecken. Anderen macht die Unplanbarkeit und Ungewissheit zu schaffen. Wieder andere fürchten sich vor den wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Folgen dieser Pandemie. Doch wie geht man nun mit diesen Ängsten um? Ich gebe dir Tipps, wie du der Angst ihren Schrecken nimmst.




Meine Begegnung mit der Angst


Ich hatte letzte Woche eine sehr schöne Begegnung. Als ich gerade in der Endentspannung nach dem Yoga war, ist doch auf einmal Annika aufgetaucht, meine Angst. Sie hat sich gleich bemerkbar gemacht:

Da war auf einmal die Enge und die Beklemmung in der Brust und die Unruhe im Geist, ohne, dass ich sie mir erklären konnte.

Im Alltag verdränge ich dieses Gefühl gerne, weil es nicht das ist, was ich mir wünsche. Aber diesmal habe ich mir gedacht: Wenn Annika jetzt schon mal da ist, dann können wir uns doch auch kurz unterhalten.


Ich habe sie gefragt, was sie mir sagen möchte. Da war sie auf einmal ganz still und hat sich zurückgezogen, wie ein schüchternes kleines Mädchen das eben tut. Sie war dann eine Weile still und hat immer wieder versucht sich möglichst unbemerkt in mir breit zu machen. Als ich sie zum fünften Mal gefragt habe, was sie mir sagen möchte, ist es auf einmal aus ihr herausgeplatzt: „Ich will doch nur verstecken spielen!!“ Und da musste ich lächeln.


Verstecken spielen wir schon mein ganzes Leben: Ich verstecke mich immer und Annika, meine Angst, sucht mich. Ich suche immer neue Verstecke und spüre die nervöse Unruhe, ob sie mich wohl wieder findet.

Nachdem mir das bewusst geworden ist, habe ich beschlossen, dass ich den Spieß gerne einmal umdrehen möchte: Ich möchte auch mal diejenige sein, die sucht und nicht immer die, die sich versteckt. Also habe ich Annika vorgeschlagen, dass ich ab jetzt suchen möchte – die letzten 31 Jahre war sie dran, jetzt möchte ich eine Weile diese Rolle übernehmen. Annika war entsetzt, wie ein kleines trotziges Mädchen: „Aber das geht nicht. ICH will suchen.“


Geduldig habe ich ihr erklärt, dass sie mich gerne suchen kann, wenn sie sich nicht verstecken möchte – ich werde sie dann eben einfach gleichzeitig suchen. Und dann finden wir uns einfach schneller und können gemeinsam spielen und sprechen – ganz auf Augenhöhe. Das fand sie nicht so toll: „Das will ich aber nicht. Ich will, dass du dich versteckst – das macht doch sonst überhaupt keinen Spaß!!“ Lächelnd habe ich sie in den Arm genommen und ihr gesagt, dass ich sie liebe, so wie sie ist – auch, wenn sie trotzig ist. Und, dass ich verstehe, dass es ungewohnt ist etwas Neues auszuprobieren. Und sie eingeladen, dass wir es einmal so probieren.


Sie war nicht wirklich überzeugt und das ist okay. Ich werde mich trotzdem nicht mehr verstecken.

Denn ich würde die Verantwortung für mein Leben ja sonst auch nicht die Hände eines trotzigen, kleinen Mädchens legen, oder?


So nimmst du der Angst ihren Schrecken



1. Warhnehmen: Schaue der Angst ins Auge


Die Angst lebt davon, dass wir uns vor ihr verstecken. Dieses Spiel kennt sie sehr gut - denn sie spielt es schon sehr lange mit uns und hat da richtig viel Erfahrung sammeln können. 😅 Solange du da mitspielst und dich immer versteckst, hat sie sehr viel Macht über dich. Der erste und wichtigste Schritt ist daher: Höre auf dich zu verstecken.

Vielleicht denkst du jetzt: "Ich verstecke mich ja eh nicht vor der Angst." Beobachte dich einmal ein paar Tage, ob das wirklich stimmt.

Wie gehst du damit um, wenn du Angst bekommst? Wenn du die Enge und die Beklemmung in der Brust wahrnimmst: Was denkst du dann? Wie verhältst du dich? Suchst du dann eine Beschäftigung (z.B. Arbeiten, Fernsehen, Lesen, ein Gespräch über etwas Angenehmeres führen), um dich abzulenken und die Angst zu verdrängen? Suchst du nach Wegen, damit dieses komische und unangenehme Gefühle so rasch wie möglich verschwindet? Oder denkst du dir: "Da schaue ich jetzt einmal hin und schenke dem Gefühl meine freudige Aufmerksamkeit?"

Wenn du merkst, dass die Angst kommt, dann lenke dich nicht ab und versuche nicht sie loszuwerden. Nimm sie einfach nur wahr - genauso, wie sie ist.

2. Zuhören: Höre der Angst zu


Wenn du die Angst jetzt wahrnimmst und dich nicht versteckst, dann kommt der nächste Schritt. Frage die Angst: "Was möchtest du mir sagen?"

Du kannst über die Frage meditieren und beobachten, welche Gedanken dazu in deinem Kopf auftauchen. Oder du nimmst einen Zettel und schreibst die Frage auf und notierst alles, was dir dazu in den Sinn kommt.

Wichtig dabei: Zensiere dich nicht. Alles was kommt ist ein wertvoller Hinweis und du solltest alles ernst nehmen. Denn wenn du das nicht tust, dann versteckst du dich wieder und gibst der Angst das Gefühl, dass du sie nicht ernst nimmst. Also: Nimm dir ausreichend Zeit dich mit dieser Frage zu beschäftigen.


Vielleicht bekommst du nicht gleich Antworten. Wenn du dich länger versteckt hast, dann kann es sein, dass die Angst sehr schüchtern ist und nicht sofort rausrückt mit der Botschaft. Das macht nichts.

Sei geduldig und bleibe dran - stelle dir vor, dass du mit einem kleinen Kind sprichst.

Gib der Angst Zeit sich mit der neuen Situation zurechtzufinden. Mit der Zeit wirst du Antworten bekommen, versprochen!



3. Annehmen: Umarme die Angst


Das klingt jetzt vielleicht komisch, versuche es trotzdem einmal 😉 Jedes Gefühl möchte in erster Linie gefühlt und angenommen werden. So wie auch jeder Mensch gesehen und angenommen werden möchten. Stell dir daher vor, dass die Angst ein kleines Kind ist. Nimm deine Angst in den Arm. Sage ihr, dass sie wichtig für dich ist und du sie liebst. Und beobachte, was das mit dir macht.

Solange du die Angst verurteilst und sie vermeiden willst, wird sie dich verfolgen. Indem du sie annimmst und ihr Raum gibst, kann sie sich auflösen.


So baust eine Beziehung zu deiner Angst auf


Wenn du deiner Angst regelmäßig ein bisschen Zeit und Liebe schenkst, wirst du merken, dass sie mit der Zeit ihren Schrecken verliert. Unsere Ängste enthalten wertvolle Hinweise, wo wir wachsen und uns weiterentwickeln können.


Folgende Fragen können dir helfen, deine Angst besser kennen- und lieben zu lernen:


  • Wovor habe ich Angst? Notiere hier alles, wovor du dich fürchtest, also auch, wenn du dich vor Spinnen fürchtest 😉

  • Was steckt wirklich hinter dieser Angst? Was möchte hier gesehen werden?

  • Wobei hilft mir diese Angst? Was darf ich hier lernen?



Wie geht's dir mit deiner Angst?


Ich freue mich, wenn du mir schreibst und deine Erfahrungen mit mir teilst.

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