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7 Sünden - oder unsere Angst etwas falsch zu machen

Aktualisiert: Jan 29

Wie gut kannst du mit Fehlern umgehen? Kannst du sie freudvoll annehmen und die Chance und das Lernpotenzial darin erkennen oder fühlst du dich schuldig und willst sie um jeden Preis vermeiden? Wie wir mit Fehlern umgehen, sagt uns sehr viel über unser Vertrauen ins Leben und in unsere eigenen Fähigkeiten aus. Heute schauen wir uns an, wie du Fehler für dich nutzen kannst und durch sie über dich selbst hinauswächst.




Die Angst etwas falsch zu machen


Ich mache nicht gerne Fehler. Sie sind mir unangenehm, fast peinlich. Denn ich möchte gerne perfekt sein und alles richtig machen. Ich möchte gerne von anderen als unfehlbar wahrgenommen werden. Daher habe ich in den letzten Jahren alles daran gesetzt, um Fehler bestmöglich zu vermeiden. Indem ich alles ganz genau geplant habe, mir sehr viele Gedanken über alles gemacht habe und immer und überall versucht habe die Kontrolle über die Situation zu behalten.


Was mir das gebracht hat? Sehr viel Angst, Unsicherheit und einen immer kleiner werdenden Bewegungsspielraum. Denn wann immer ich etwas „falsch“ gemacht habe, war mein ganzes System in Alarmbereitschaft, ja fast in Panik, und hat geschrien: "Ahhh, das darfst du auf keinen Fall nochmal machen – das ist ganz, ganz Böse."

Wir alle haben Lebensbereiche, wo sich unsere inneren Ängste und unsere Muster besonders deutlich bemerkbar machen. Welcher Bereich ist das bei dir?

Bei mir ist es das Essen. Wann immer ich das Gefühl habe, dass das Leben mir die Kontrolle entreißt und die Dinge nicht so laufen, wie ich sie mir vorgestellt habe, fange ich sehr stark mein Essverhalten an zu kontrollieren. Das war mir lange gar nicht so bewusst, denn mein Körper hat mir bei der Verschleierung sehr gut geholfen: In Form von diversen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Sodbrennen, Reflux, die mir eine gute Ausrede für all diese Kontrolle gegeben haben, ohne, dass ich vor anderen – und in erster Linie vor mir selbst – eingestehen musste, was ich da eigentlich tue.


Und so ist dieser Bereich noch immer jener, an dem ich erkenne, wie gut mir das Loslassen und das Vertrauen ins Leben gerade gelingt: Wenn ich wieder voller Panik überlege, was ich denn jetzt essen kann, um ja kein Sodbrennen zu bekommen, dann weiß ich, dass ein Thema ansteht, wo ich hinschauen darf. Dass ich wieder Vertrauen und Hingabe üben darf, um die Leichtigkeit, Freude und den Genuss beim Essen wiederzuerlangen. Und das ist ein Prozess und gelingt auch nicht immer auf Anhieb.


Warum wir Fehler vermeiden


Aber zurück zum eigentlichen Thema: Fehler machen. Ich bin ziemliche Expertin in der Entwicklung von Fehlervermeidungssstrategien. Aber damit bin ich nicht alleine:

Unsere gesamte Gesellschaft ist darauf gedrillt, dass Fehler etwas Böses sind und wir sie um jeden Preis vermeiden müssen.

Vielleicht kommt dir das ja bekannt vor: Dir passiert im Job ein Fehler oder irgendjemand anderes tut etwas, das nicht so ist, wie es ursprünglich geplant war. Egal wie banal oder klein dieser Fehler auch ist: In vielen Firmen löst das eine Lawine an negativen Emotionen aus: Nervöse Führungskräfte in allen Hierarchieebenen, nervöse Mitarbeiter, die sich für ihre Fehler schämen und sie nervös auszubügeln versuchen und die Suche nach einem Schuldigen, den man für all den Mist verantwortlich machen kann. Wenn der Fehler dann „beseitigt" ist, atmen alle erleichtert auf und das Thema wird dann nach und nach unter den Teppich gekehrt, damit der Schmerz, den es ausgelöst hat, nicht mehr so stark spürbar ist. Bis der nächste Fehler passiert: Dann geht das gleiche Schauspiel von vorne los: Hysterie, Schuldzuweisungen, Vergessenheit.

Was alle Beteiligten daraus gelernt haben? Dass beim nächsten Mal bitte gefälligst alle besser aufpassen müssen, damit so etwas ja nie, nie wieder passiert!

Die Angst vor Fehlern sitzt sehr tief.


Von klein auf haben wir alle sie mitbekommen. Wie oft hast du in deiner Kindheit erlebt, dass deine Eltern genauso fasziniert davon waren, wenn du gerade etwas ausprobiert hast, das vielleicht nicht unbedingt der ausgeklügeltste Plan mit dem besten Ergebnis war? Wurdest du gelobt für deinen Mut es zu probieren und haben sie dir geholfen herauszuarbeiten, was du daraus lernen kannst? Oder hast du Schimpfer bekommen, was das für eine dumme Idee war?


Doch auch unsere Eltern trifft hier keine Schuld. Denn auch sie haben es so gelernt. Wenn wir uns unser Wertesystem anschauen, ist auch wenig verwunderlich, dass jeder Angst vor Fehlern hat.

Schon in der Bibel wird davor gewarnt, was passiert, wenn wir etwas Falsches tun: Dann kommen wir nämlich in die Hölle und dürfen im Fegefeuer unsere Fehler ausbaden. Und wer wird bei so einer Vorstellung schon voller Vorfreude Neues ausprobieren, bei dem die Chance zu scheitern hoch ist?

Dabei liegt es in unserer Natur Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen, aus ihnen zu wachsen. Schau dir einmal ein kleines Kind an, das gerade gehen lernt: Wie oft fliegt es dabei hin? Wie oft probiert es Neues um, um sein Ziel – endlich gehen zu können – zu erreichen? Und wieviel Freude hat es dabei?


Wenn wir bereits im Babyalter diese Angst vorm Scheitern hätten, dann würden wir nie etwas lernen. Denn wir würden spätestens nach dem zweiten Gehversuch verzweifelt das Handtuch werfen und jammern, dass die Schmerzen vom Sturz deutlich zeigen, dass wir das einfach nicht können und besser vorsichtig abwarten, um hier nichts falsch zu machen.

Irgendwann beginnen wir dann aber diese Haltung des positiven Scheiterns abzulegen. Wir bekommen Angst vor Neuem und Veränderungen versetzen uns in Stress. Wenn wir das Gefühl haben, dass uns das Leben die Kontrolle entreißt, dann sind wir unruhig und warten verzweifelt darauf, dass bitte wieder alles so wird, wie es richtig gehört. Das ist in der aktuellen Lage besonders deutlich zu sehen: Alle warten darauf, dass bitte alles wieder „normal“ wird, anstatt sich zu überlegen, was die Chance daran ist, was es hierzu lernen gibt.


Die Krise als Geschenk


Dabei bietet jede Krise soviele Möglichkeiten für Veränderung und Wachstum. Der Psychologe Viktor Frankl sagt, dass wir unsere Krisen überhaupt nichts lernen würden und sie so wertvoll und wichtig für unser Leben sind. Wenn wir uns nur die richtigen Fragen darin stellen. Statt „Wie konnte das nur passieren?“ zu fragen und nach dem Schuldigen zu suchen, ist es gewinnbringender sich zu überlegen, was das Geschenk der Sache ist. Frankl empfiehlt hier die Frage

„Wofür ist das die Gelegenheit?“

Probiere einmal aus, wie es dir geht, wenn du dir in einer Situation, die dir nicht gefällt, diese Frage stellst (statt verzweifelt nach dem Warum zu suchen). Du wirst merken, dass dich das in eine bessere Richtung bringt und du viele Ideen, Chancen und Erfahrungen dadurch gewinnen kannst.


Wie wir Fehler lieben lernen


Und so lade ich dich heute ein, Fehler freudvoll annehmen zu lernen und die Chance, die in jedem Fehler steckt, zu erkennen. Ich übe das gerade sehr intensiv und merke, wie sich dadurch Stück für Stück die Beklemmung in der Brust löst, wenn ich einen Fehler mache.


Beginne jeden Fehler zu feiern, belohne dich, wenn du einen Fehler gemacht hast und sei stolz auf ihn. Erkenne an, dass er ein Geschenk des Lebens ist, damit du eine neue Erfahrung machen und etwas lernen darfst. Um so über dich selbst hinauszuwachsen und Stück für Stück dein volles Potenzial zu erreichen.


Und übe Vertrauen ins Leben: Es gibt einen Grund, warum dir genau das passiert ist. Anstatt dich selbst zu bemitleiden und in Panik zu verfallen, freue dich über diese wunderbare Gelegenheit und zeige dem Leben deine Dankbarkeit. Indem du das Geschenk freudvoll und neugierig annimmst. Und so ein Stück mehr zu deiner vollen Größe heranwächst.


Wie geht's dir mit Fehlern? Ich freue mich, wenn du mir schreibst:

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