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Wie wir durchs Geben reicher werden

Aktualisiert: Jan 29

Gibst du gerne? Oder bekommst du lieber? Wie freizügig gehst du in deinem Leben mit Geschenken, Liebe, Komplimenten, guten Taten um? Und wie oft stellst du dir insgeheim die Frage: „Was springt da für mich dabei heraus?“ Da heute Nikolo ist, möchte ich mir mit euch das Thema freies Geben anschauen.




Vom Teilen und Geben


Teilen ist mir immer schwer gefallen. Wenn ich etwas Gutes zu essen hatte, dann habe ich ungern etwas davon abgegeben. Aus Angst, dass dann nicht genug für mich übrig bleibt. Wozu das geführt hat? Zu einem Mangeldenken der Superlative: Ständige Angst nicht genug zu bekommen.


Geschenke zu machen ist mir hingegen schon immer leicht gefallen und hat mir viel Freude bereitet. Dabei habe ich eine Kreativität und eine Euphorie entwickelt, von der ich oft selbst überrascht war. Ich bin stundenlang ins Basteln eingetaucht und habe mir sehr genau überlegt, was dem anderen gefällt und wie ich ihm eine Freude machen kann. Bis ich irgendwann begonnen habe, den Rechnungsblock auszupacken und mir anzuschauen, was ich für meine Geschenke zurückbekomme. Ich wollte kontrollieren, ob ich genug Dankbarkeit, Liebe und Loyalität dafür erhalte. Und ob sich der andere bei seinen Geschenken genauso viel Mühe gibt, wie ich mir. Fast immer habe ich festgestellt, dass die anderen nicht das Gleiche für mich tun, was ich getan habe und habe mich sehr ungerecht behandelt gefühlt: Von den anderen, vom Leben. Selbstmitleid ohne Ende. Opferrolle pur. Was ich dabei völlig übersehen habe:

Mein Handeln war so stark auf ein gewisses Ergebnis ausgerichtet, dass ich mir damit die Freude an der Handlung selbst genommen habe. Und mein Mangeldenken so immer weiter ausgebaut habe.

Das Gesetz von Karma


Im Yoga gibt es das Gesetzt von Karma: Mit unserem Handeln bzw. den Erwartungen, die daran geknüpft sind, bauen wir Karma auf, was soviel bedeutet wie die Früchte unseres Handelns. Karma kann positiv oder negativ sein, je nachdem welche Taten und mit welchen Hintergründen wir sie gesetzt haben. Yoga versucht dieses Karma zu reduzieren, indem Handlungen von den Erwartungen gelöst werden. Was das heißt?

Tun um des Tun Willens. Taten zu setzen, weil sie gerade richtig sind und es unsere Aufgabe ist, diese Tat zu setzen. Aber ohne Erwartungen daran zu knüpfen.

Klingt schwierig? Ist es auch. Und für uns Menschen auch nicht immer möglich.


Nichtsdestotrotz ist es hilfreich sich sich sein eigenes Verhalten einmal anhand des Konzeptes von Karma zu beobachten. Wie oft tust du Dinge, weil du sie wichtig findest, ohne dir dabei zu überlegen, was für dich selbst dabei herausspringt? Und wie oft setzt du Taten, weil du insgeheim erwartetest, dass dein Gegenüber dir etwas dafür zurückgibt? Und mit zurückgeben meine ich nicht nur materielle Dinge oder dieselbe Leistung. Vielleicht erwartest du dir auch etwas ganz anderes dafür: z.B. Anerkennung, Liebe oder Loyalität. Vielleicht möchtest du, das Gefühl haben wichtig für den anderen zu sein. Liebenswert zu sein, weil du soviel für ihn tust. Auch das sind Erwartungen, die nichts mit freiem Geben zu tun haben.


Eine gute Frage, die dir helfen kann zu erkennen, ob du etwas einfach nur um des Tun Willens tust oder, ob du Erwartungen daran geknüpft hast, ist:

„Wenn nie jemand erfahren würde, dass ich das gerade tue: Würde ich es trotzdem tun?“

Als ich mir diese Frage das erste Mal gestellt habe, habe ich sehr entsetzt festgestellt, dass in den letzten Jahren sehr viele meiner Handlungen mit einem Hintergedanken passiert sind: In vielen Fällen wollte ich damit Anerkennung für Leistung erhaschen, also von den anderen ein Lob bekommen oder ein gewisses Bild von mir bei ihnen verankern. Dieser starke Wunsch nach Anerkennung hat dazu geführt, dass ich die Handlungen selbst gar nicht mehr in ihrer Fülle genießen und erleben konnte, weil ich zu stark darauf fokussiert war zu kontrollieren, ob ich eh das als Resultat bekomme, was ich mir wünsche.


Und ich kann euch verraten: Ich habe es nie bekommen. Zum Glück. Denn sonst hätte ich nie gelernt mein Verhalten zu hinterfragen.



Freies Geben - wie geht das jetzt?


Okay, denkst du dir jetzt vielleicht – und wie soll ich das ändern? Indem du anfängst freudvoll zu Geben. Und zwar am besten das, was dir fehlt. Wenn du beginnst dir die Frage zu stellen

„Was erwarte ich mir von meiner Handlung?“

wirst du mit der Zeit Antworten bekommen, die dir vielleicht nicht immer gefallen. Verurteile dich dann nicht selbst, sondern nutze sie, um zu lernen: Wenn du dir also z.B. von deiner Handlung Anerkennung als Resultat wünscht, dann beginne der Anerkennung mehr Raum in deinem Leben zu geben und den Mangel damit aufzulösen. D.h. fange an anderen Anerkennung zu schenke: Suche nach Situationen in denen du andere loben kannst. Und lobe dich auch selbst regelmäßig – gerade auch dann, wenn du vielleicht nicht zu 100 % mit dir selbst zufrieden bist in einem Moment.


Und stelle dir selbst sooft es geht die Frage:

Was kann ich hier geben?

Überlege dir in jedem Moment, wie du dich wertvoll einbringen kannst. Wie du deine Talente und Fähigkeiten hier einsetzen kannst. Und zwar nicht, weil die anderen es ohne dich nicht schaffen würden und sie sehen sollen, wie gut du das machst. Oder du dich nach ihrer Lieb sehnst. Sondern einfach nur, weil du Freude am Geben selbst hast.


Du kommst damit vom Mangel in die Fülle und erkennst, was alles in dir steckt. Du findest eine unerschöpfliche Quelle von Ideen und Talenten in dir. Und du erfährst tiefe Zufriedenheit.

Durch das freie Geben kannst du Stück für Stück deine Taten von den Erwartungen befreien und wirklich aus vollem Herzen Dinge geben.


Außerdem wirst du erkennen, dass wir alles, was wir geben vielfach zurückbekommen. Vielleicht nicht im gleichen Augenblick. Und vermutlich nicht von der gleichen Person, der wir etwas geschenkt haben. Aber das Leben wird einen Weg finden, uns das was wir gegeben haben, auch selbst zu schenken. Und wenn es soweit ist, können wir dieses Geschenk freudvoll annehmen, weil wir wissen, dass wir nicht abhängig von ihm sind. Schön, oder?


Heutige Übung:


Damit du das freie Geben üben kannst, suche dir heute 6 Gelegenheiten, in denen du etwas geben kannst. Das kann sein, dass du jemandem deine Hilfe anbietest, ohne etwas dafür zu erwarten, jemandem ein ernstgemeintes Kompliment machst oder ein kleines Geschenk.


Wenn du dazu neigst dich für andere aufzuopfern, dann übe heute einmal was du dir selbst geben kannst: Wie kannst du etwas für deinen Körper tun? z.B. Indem du dich heute aufraffst und ein paar Yogaübungen machst. Oder indem du dir heute Zeit nimmst, um etwas zu Tun, das dir Freude macht, ohne, dass du dir ein Ergebnis davon erwartest: z.B. ein Bild zu malen, weil du Freude am Malen hast, ohne, dass du danach mit diesem Bild irgendwas machen willst. Lass deiner Kreativität hier freien Lauf und genieße das Tun um des Tun Willens.

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