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Lebst du schon? Oder erfüllst du noch Erwartungen?

Hast du manchmal das Gefühl, dass es einfach nie schnell genug gehen kann? Dass du viel zu langsam bist und du erst noch dieses oder jenes erreichen musst, um endlich glücklich und zufrieden sein zu können? Dann ist diese Geschichte das richtige für dich.




„Ach, die schon wieder!“, denke ich, als ich die nervöse Unruhe in mir spüre. Den Drang sofort die ganze Welt retten zu müssen, weil die ja ohne mich echt aufgeschmissen sind. Wie soll die Welt sich nur weiterdrehen, wenn ich hier einfach nur faul herumliege?

„Hallo, Maria. Schön, dass du wieder da bist.“, sage ich und versuche dabei freundlich zu klingen. Wenn ich mir Marias Reaktion anschaue, dann dürfte es mir nur mäßig gelungen sein. Maria ist mein Ehrgeiz und selten zufrieden mit mir. Sie wirft mir einen abfälligen Blick zu, den ich von ihr gut kenne. Der heißt soviel wie: „War ja klar, dass du das nicht besser hinbekommst.“ Okay, wo war noch mal der innere Frieden, den ich vor ein paar Sekunden noch so gut in mir spüren konnte? Scheint wie weggeblasen zu sein. Aber was soll’s. Weglaufen klappt eh nicht – Maria ist schneller als ich. Denn im Schnellsein ist sie echt geübt.


Also atme ich einmal tief durch, ziehe meine Mundwinkel nach oben und fahre dann fort: „Wie geht’s dir, Maria? Was kann ich für dich tun?“ Diesmal dürfte mir die Freundlichkeit besser gelungen sein. Oder Maria lässt sich ihre Unzufriedenheit mit meiner Reaktion zumindest nicht anmerken und legt in Sekundenschnelle los: „Wie soll’s mir schon gehen? Ich rackere mich Tag und Nacht ab, schiebe Überstunden ohne Ende, damit ich deine Faulheit ausbade und du legst dich einfach quer. Ich präsentiere dir tagtäglich neue Vorschläge, was du tun kannst, um endlich in die Gänge zu kommen und aufhörst deine kostbare Zeit mit Lappalien zu verschwenden und du ignorierst mich einfach. Immer wenn ich das Gefühl habe endlich zu dir durchgedrungen zu sein und du deinen Arsch einmal hochbekommst, kommt Greta mit ihren Zweifeln daher und du machst wieder schlapp und alles war umsonst. So wirst du nie erfolgreich, wenn du nicht dranbleibst und dich gefälligst ein bisschen mehr anstrengst!!“ Marias Gesicht ist rot vor Wut. Heute ist sie mächtig in Fahrt.


Aber sie hat auch Rückendeckung: Anja, meine Unzufriedenheit, flüstert ihr viele Tipps ins rechte Ohr und Karli, meine Wut hat seine Hand unterstützend auf ihre Schulter gelegt. Ich überlege noch, wie ich am besten reagiere, als es auf einmal erneut aus ihr herausplatzt: „Wir wollen doch nur dein Bestes!“ Ihre Mimik ist auf einmal ganz weich und ein Hauch von Verzweiflung liegt in ihrem Ausdruck. Woher kommt denn dieser plötzliche Stimmungswechsel? Ich merke, dass ich schon wieder gewillt bin Maria Glauben zu schenken, als ich auf einmal Maya, meine Täuschung, erblicke, die ihr diese Worte ins Ohr flüstert. Puh, heute haben wir anscheinend Klassentreffen hier.


Ich ringe noch nach Worten, als Lea, meine innere Weisheit, mir zu Hilfe eilt: „Leute, lasst sie doch einmal in Frieden. Es ist doch alles in Ordnung.“ Ich fühle mich augenblicklich ruhiger und klarer. Danke, Lea. „Schaut doch einmal, was wir zusammen schon alles erreicht haben.“, meldet sich jetzt auch Martin, mein Optimismus, zu Wort. „Stimmt. Wir können echt stolz auf uns sein.“, bekräftigt Bernhard, mein Sanftmut.


Ich merke, wie mein ganzer Körper sich entspannt. Mein Atem, der vor wenigen Sekunden noch flach und schnell war, fließt jetzt ganz ruhig und frei. Ich lächle. Diesmal wirklich von Herzen. „Ich danke euch allen.“, melde ich mich nun auch zu Wort. Und ich meine es auch so, als ich fortfahre:


„Ihr seid echt ein tolles Team. Ich liebe euch. Jeden von euch. Ich weiß, dass ich euch das manchmal nicht zeige. Und ich verstehe, dass es da zur Zeit viele unterschiedliche Ansichten gibt. Und mag sein, dass ich nicht immer die klügste Entscheidung treffe oder den direktesten Weg wähle. Aber ich verspreche euch, dass wir trotzdem am richtigen Weg sind. Und, dass wir auf diesem Weg unglaublich viel lernen werden. Wir werden viele große und kleine Abenteuer erleben. Auch einmal eine Pause einlegen, um den Ausblick zu genießen. Viele neue Freundschaften knüpfen. Alten Ballast zurücklassen, um die Arme frei zu haben für all die Geschenke, die auf unserer Reise auf uns warten. Und wir mit jedem Schritt ein Stück freier und glücklicher werden. Dabei haben wir alle Zeit der Welt. Wir können gar nichts verpassen. Denn schließlich ist der Weg, das Ziel. Das wird toll. Wirklich. Ich freue mich darauf. Ich weiß, dass wir zusammen alles schaffen und jedes Hindernis überwinden werden. Denn mit euch an meiner Seite kann überhaupt nichts schief laufen. Danke, dass ihr immer da seid, um mich aufzufangen. Ihr seid das beste Team der Welt. Ich liebe euch – von Herzen.“

Als ich meine Rede beende und in die Gesichter meines inneren Teams blicke weiß ich, dass jedes Wort wahr ist. Ich sehe viele friedliche Gesichter. Selbst Anja, meine Unzufriedenheit, kann sich das Lächeln nicht verkneifen. Und kurz glaube ich eine kleine Träne auf Marias Wange zu entdecken. Doch ich lasse mir nichts anmerken. Schließlich steht ihr guter Ruf auf dem Spiel. Also lächle ich einfach nur und denke dabei: „Danke, Leben!“

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