Suche

Loslassen: Platz für neue Erfahrungen

Wie geht’s dir mit dem Loslassen? Fällt es dir leicht Gedanken, Erfahrungen, Gegenstände oder auch Menschen loszulassen? Oder klammerst du dich an sie und möchtest schöne Momente am liebsten konservieren? Heute möchte ich mit dir übers Loslassen sprechen und darüber, dass ohne ihm nichts Neues entstehen kann.



Alte Erfahrungen loslassen


Ich hasse es, Dinge loszulassen. Ich klammere mich sehr gerne fest an alles, was mir gefällt und möchte es am liebsten immer und immer wieder wiederholen. Wenn ich zum Beispiel etwas gefunden habe, das mir gut getan hat oder auch ein Essen gefunden habe, das mir sehr schmeckt, dann möchte ich es am liebsten jeden Tag haben. Bis ich irgendwann enttäuscht bin, weil sich der Zauber, den es zu Beginn auf mich hatte, eingestellt hat. Gleichzeitig möchte ich Dinge, die mir nicht gefallen oder gar Schmerzen zugefügt haben, für immer vermeiden. Weil ich auch diese negative Erfahrung irgendwie nicht loslassen kann.


Im Yoga nennt man diese beide Phänomene Raga und Dvesha (Zuneigung und Abneigung). Raga bedeutet, dass wir das, was uns gefallen hat, immer und immer wieder haben möchten. Und Dvesha, dass wir negative Erfahrungen nie wieder erleben wollen und daher vermeiden. Beides sind Hindernisse auf dem Weg Richtung Freiheit. Denn sie schränken uns in unserem freien Willen und in unserer Unterscheidungskraft ein.


Es ist eine Illusion zu glauben, dass etwas, das uns gut getan oder Schmerzen bereitet hat, beim nächsten Mal wieder genauso sein wird. Jeder Augenblick ist einzigartig und kein Tag ist genau gleich, wie ein anderer – auch wenn wir das oft glauben.

Erwartungen prägen unsere Wirklichkeit


Aber warum ist es dann so, dass einem gewisse Dinge fast immer gut und andere schlecht tun? Diese Frage hat mich sehr lange beschäftigt. Ich merke ja z.B. dass ich gewisse Speisen gut vertrage und von anderen sofort Sodbrennen bekomme. Oder, dass gewisse Yogaübungen sehr angenehm sind und andere zu Schmerzen führen.


Nun ja, jetzt kommen wir zum Thema mit dem Loslassen. Indem ich gewisse Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht habe, entwickle ich Erwartungen daran, wie es beim nächsten Mal sein wird. Ich glaube, dass mir diese Erfahrungen belegen, dass etwas immer so ist.

Ich lasse alte Erfahrungen nicht los, sondern erhalte sie aufrecht, auch wenn sie längst vorbei sind. Und durch meine Erwartungen beeinflusse ich den aktuellen Augenblick.

Wenn ich also erwarte, dass ich von einem gewissen Essen Sodbrennen bekomme oder von einer gewissen Yogaübung Schmerzen, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich diese Erwartung erfüllt.


Das mag vielleicht komisch klingen aber in der Quantenforschung ist dieses Phänomen schon länger bekannt. Quanten sind schwer erforschbar. Denn je nachdem welcher Forscher das Experiment durchführt, ergibt sich ein anderes Ergebnis. Die Erwartungen, die der jeweilige Forscher hat, beeinflussen das Verhalten der Quanten und somit das Ergebnis. Und so erhalten zwei unterschiedliche Forscher, die unterschiedliche Erwartungen haben aber die gleiche Methodik verwenden, zwei unterschiedliche Ergebnisse, basierend auf ihren Erwartungen.


Und genau dasselbe passiert in unserem Leben tagtäglich: Indem wir gewisse Erwartungen oder Befürchtungen haben, prägen wir unsere Wirklichkeit. Unsere Wünsche und Ängste aber auch unsere Glaubenssätze und Verhaltensmuster prägen unsere neuen Erfahrungen.


Wenn ich also der Meinung bin, dass mir etwas schadet, dann werde ich mir Momente erschaffen, die mir dies bestätigen. Wenn ich der Meinung bin, dass mir etwas gut tut, dann werde ich auch dafür viele Beweise finden.

Loslassen und Erwartungen


Soweit so gut. Doch was hat das jetzt mit Loslassen zu tun? Nun ja, wenn ich festhalte an Erlebnissen, Überzeugungen, Gegenständen oder Menschen, dann bin ich niemals frei mich für neue Erfahrungen zu öffnen. Es ist sehr schwierig komplett neue Erfahrungen zu machen, wenn ich im Hinterkopf immer noch an meinen alten Erfahrungen hänge.

Ich kann nie das volle Potenzial eines Momentes auskosten, wenn ich ihn ständig mit meinen Erwartungshaltungen vergleiche. Und in menschlichen Beziehungen kann ich nie eine komplette Verbundenheit erreichen, solange ich nicht bereit bin all meine Erwartungen, Ängste und Vorurteile loszulassen.

Wie gut gelingt es dir zum Beispiel deinen Partner in jedem Augenblick so anzunehmen und zu lieben, wie er ist? Bei mir ist da noch Luft nach oben. Ich vergleiche ihn gerne mit meinen Erwartungen oder krame im Streit auch mal Erlebnisse aus der Vergangenheit aus, die mir nicht gefallen haben.


Die Folge davon? Ich lasse mich nie zu 100 % auf meinen Partner ein. Ich halte immer etwas zurück. Ich behalte mir einen Teil meines Schutzpanzers, im Glauben, dass er mich vor negativen Erfahrungen bewahrt. Ich fühle mich ihm überlegen und glaube es besser zu wissen. Und so bin ich in diesem Moment beeinflusst von Raga und Dvesha – ich möchte positive Gefühle erzwingen und negative Gefühle vermeiden. Ich möchte, dass die Dinge genauso laufen, wie ich denke, dass sie richtig sind.


Was ich dabei übersehe? All, die wunderbaren neuen Erfahrungen, Gefühle und Wachstumschancen, die das Leben für uns bereithält. Ich kann so nie das volle Potenzial aus unserer Beziehung herausholen, weil dafür gar kein Platz ist, weil da all die alten Erwartungen sind.


Loslassen und Neues zulassen


Und so übe ich diese Erwartungen Stück für Stück loszulassen.

Loslassen bedeutet Raum für Neues zu schaffen.

Du kennst bestimmt das befreiende Gefühl, wenn du deinen Kleiderschrank ausmusterst. Auch wenn es manchmal ein bisschen Überwindung kostet Kleidungstücke oder andere Gegenstände loszulassen, so ist doch das befreiende Gefühl, das dadurch entsteht, soviel wertvoller. Und durch den entstandenen Raum gibt es auf einmal Platz für etwas Neues.


Im Yoga nennt man dieses Prinzip Aparigraha – nicht ansammeln, loslassen. Denn alles, was wir ansammeln – egal, ob es Gegenstände oder Gedankenmuster, Ideen, Träume oder Erfahrungen sind, machen uns träge.

Wenn wir Dinge immer nur ansammeln und nie mehr loslassen, werden wir unflexibel. Wir verlieren unseren Blick für all die Chancen und Neuheiten, weil wir zu sehr mit dem alten Ballast beschäftigt sind.

Heutige Übung


Und so möchte ich dich heute einladen Loslassen zu üben. Raum für Neues zu schaffen. Für neue Erfahrungen, für Wachstum, für Inspiration.


Lass heute auf jeden Fall irgendetwas los: Und wenn es nur ein paar Schuhe ist, das schon lange in deiner Wohnung rumsteht und noch nie getragen wurde. Verschenke es am Besten und öffne dich für die Erfahrung, die du dadurch machen darfst.


Falls du dich noch tiefer mit dem Thema beschäftigen möchtest, habe ich ein paar Fragen als Denkanstöße für dich:

  • Wovon ist zuviel in deinem Leben? Wie kannst du etwas davon loslassen?

  • Welche alten Glaubenssätze hindern dich daran, frei zu sein? Z.B. Ich kann das nicht. Das Leben ist ungerecht. Ich bin halt so. Bei mir ist das ist.

  • Möchtest du diese alten Glaubenssätze noch weiter glauben oder lieber loslassen?

  • Welche Ideen hast du schon sehr lange aber noch nie umgesetzt? Wie kannst du sie loslassen? Entweder indem du sie endlich umsetzt oder indem du sie ein für alle Mal verwirfst.

  • Welche Erwartungen hast du an deinen Partner, deine Freunde, deine Familie? Welche davon möchtest du behalten und welche loslassen?


War dieser Beitrag hilfreich für dich?


Wenn dieser Beitrag hilfreich für dich war, freue ich mich, wenn du ihn teilst und an deine Freunde weiterleitest.


Wenn du Fragen hast, dann schreibe mir gerne:

81 Ansichten0 Kommentare