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Bist du, wie du sein willst?

Aktualisiert: Jan 29

Verhältst du dich in allen Situationen so, wie du gerne möchtest? Glaubst du, dass du eben bist, wie du bist und daran nichts ändern kannst? Heute möchte ich mir mit dir das Thema Rollen anschauen und wie du mit Hilfe klar definierter Rollen zu dem Menschen wirst, der ihr sein willst.



Ich bin halt so.


Ich habe mir lange gesagt, dass ich eben so bin, wenn ich mich in einer Situation so verhalten habe, wie ich es eigentlich nicht wollte. Ich dachte, dass ich daran nichts ändern kann, weil mir das eben so in die Wiege gelegt oder anerzogen wurde. Und obwohl uns unsere Kindheit nachhaltig prägt und die meisten unserer Glaubenssätze aus dieser Zeit stammen, so SIND wir doch nicht so.


Wir alle spielen in unserem Leben unterschiedliche Rollen: Bei mir sind das z.B. Tochter, Ehefrau, Freundin, Kollegin.

In diesen unterschiedlichen Rollen verhalte ich mich anders, geprägt von meinen Erfahrungen, Glaubenssätzen und Erwartungen. Und gleichzeitig BIN ich keine dieser Rollen.

Wie wir unser Schicksal selbst beeinflussen


Im Yoga sagt man, dass es 5 Stufen gibt, die zu unserem Schicksal, unserem Karma, führen. Die erste Stufe sind unsere Gedanken. Wenn ich immer die gleichen Gedanken denke und mich diese auffordern, etwas zu tun oder zu lassen, dann werde diesen Gedanken irgendwann folgen. Damit erreiche ich die zweite Stufe: Meine Taten. Ich setze Handlungen, basierend auf meinen Gedanken. Wenn ich gewisse Taten oft wiederhole, dann werden sie mit der Zeit zur dritten Stufe: meinen Gewohnheiten. Die Summe all meiner Gewohnheiten bildet die vierte Stufe: meinen Charakter. Und mein Charakter formt nach und nach die fünfte Stufe: mein Schicksal, mein Karma.


Wenn ich viele Gewohnheiten habe, also in gewissen Situationen immer so reagiere, dann beeinflusst das meinen Charakter. Andere Menschen - und auch ich selbst - denken dann, dass ich eben so BIN. Wie oft denkst du z.B. ganz genau zu wissen, wie dein Partner, deine Freunde oder deine Familie SIND?

Wenn Menschen sich oft gleich verhalten haben, denken wir, dass es immer so sein wird. Doch wenn wir uns die Stufen von Karma anschauen, dann erkennen wir, dass dies eigentlich nur Gewohnheiten sind - und Gewohnheiten kann man ändern.

Aus diesem Grund empfiehlt Yoga uns, uns sehr genau zu überlegen, welche Gewohnheiten wir haben und ob wir diese auch wirklich haben möchten. Denn schließlich nehmen sie direkten Einfluss auf unseren Charakter und unser Schicksal.


Ist dir eigentlich bewusst welche Gewohnheiten du hast? Magst du alle davon oder bist du mit manchen unzufrieden? Wenn wir uns bewusst machen, dass wir nicht so SIND, sondern das nur Gewohnheiten sind, dann verstehen wir auch, dass wir selbst es in der Hand haben, sie zu verändern.



Rollen und ihre Bedeutung für ein selbstbestimmtes Leben


Und so möchte ich den Bogen zu den Rollen spannen: Mir war das lange gar nicht so recht bewusst, welche Rollen ich in meinem Leben alle spiele, also z.B. Ehefrau, Kollegin, Yogalehrerin. Und noch weniger war mir bewusst, dass ich selbst definieren kann, wie diese Rollen im Detail aussehen.


Wir alle haben einen Default mode, wie wir uns in gewissen Situationen verhalten. Dieser wird gesteuert von unseren (oft unbewussten) Glaubenssätzen und Erfahrungen. Wir haben aber auch die Möglichkeit diese Rollen neu zu definieren und so zu gestalten, wie sie uns dienlich sind.

Mache dir bewusst, welche Rollen du in deinem Leben spielst und überlege dir, wie du in gewissen Situationen reagierst. Und dann frage dich: Gefällt mir das oder möchte ich lieber anders reagieren?

Ein Beispiel aus meinem Leben: Wenn mein Partner anfängt die Küche zu putzen, nachdem ich selbst das schon gemacht habe, dann werde ich oft wütend und werfe ihm vor, dass er einen Putzwahn hat. Rein objektiv betrachtet ist hier gar nichts Schlimmes passiert – ich könnte froh sein, dass er sich so gut um die Sauberkeit unserer Wohnung kümmert und mir damit Arbeit erspart. Subjektiv bringt mich das aber auf die Palme.


Warum? Weil ein Glaubenssatz in mir gefeuert wird, der lautet „Du bist nicht gut genug, so wie du bist. Du musst dich mehr anstrengen.“ Sobald er also anfängt zu putzen, denke ich unbewusst diese Gedanken und fühle mich verletzt. Da dieser Glaubenssatz schon aus meiner Kindheit stammt, verhalte ich mich auch wie ein trotziges Kind: Ich übernehme keine Verantwortung für meine Gefühle, sondern ich suche einen Schuldigen, der hier auch schnell gefunden ist 😉


Wenn ich mich frage, ob ich mich denn in solchen Situationen so verhalten MÖCHTE, dann ist die Antwort ganz klar: Nein, natürlich nicht. Soweit so gut.


Obwohl mir das schon etwas länger bewusst ist, habe ich es lange nicht geschafft, daran etwas zu ändern. Weil sich dieses Verhalten schon sooft wiederholt hat, dass es verdammt schnell abrufbereit ist und ich es oft erst merke, wenn ich schon mittendrin stecke.


Bis ich begonnen habe mir zu überlegen, wie meine Rolle aus Partnerin sein könnte.

Ich habe eine neue Rollenbeschreibung verfasst. Darin beschreibe ich meine Rolle als Partnerin so, wie sie meinen Wunschvorstellungen entspricht.

Ich möchte z.B. eine wertschätzende, liebevolle und verständnisvolle Partnerin sein. Eine die meinen Mann so annimmt, wie er ist, auch wenn er mit dem Putzen in eine seine unbewussten Verhaltensmuster verfällt, die auf seinen eigenen Glaubenssätzen basiert. Ich möchte ihm zuhören und ernst nehmen, egal ob ich sein Verhalten verstehen kann oder nicht.

Nachdem diese Rolle definiert ist, kannst du daraus Handlungen ableiten. Dir also Situationen vor Augen führen, die sich öfter wiederholen und dir dann überlegen, wie du ab sofort reagieren willst, sodass es deiner neuen Rollenbeschreibung entspricht.

Bei mir kann das z.B. sein, dass ich ihn umarme und mich bei ihm für sein Engagement bedanke, wenn er das nächste Mal die Küche nach mir nachputzt. Oder wenn das zuviel für den Anfang ist, kann ich ihm auch einfach nur ein dankbares Lächeln schenken und den Mund halten 😉


Es ist wichtig sich vor Augen zu führen, dass es in jedem Moment unglaublich viele Möglichkeiten gibt zu reagieren. Wir selbst können eine davon frei wählen. Und sobald wir wissen, WIE wir reagieren wollen, werden wir auch eher zu einer der Möglichkeiten greifen, die unserer gewählten Rolle entspricht.

Heutige Übung:


Ich möchte dich heute einladen dir deine Rolle vor Augen zu führen. Welche Rollen spielst du tagtäglich? Gefällt dir, wie du in diesen Rollen reagierst? Wenn nicht: Halte dir schriftlich fest, wie du reagieren möchtest.


Und wann immer dir Gedanken kommen wie: „Ich bin halt so. Ich war schon immer so. Ich kann nichts dafür, dass ich so bin.“ Führe dir vor Augen, dass du selbst entscheiden kannst, wie du reagieren möchtest. Weil du eben nicht so BIST, nur weil du so reagierst.



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