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Satya - sei du selbst!

Aktualisiert: Jan 29

Aktuell trage ich im Alltag häufig eine Maske. Jedes Mal, wenn ich sie abnehmen kann, fühle ich mich erleichtert und befreit. Doch wie viele unsichtbare Masken trage ich seit Jahren, ohne es zu merken? Eine der vielen Fragen auf der Suche nach Satya, der Wahrhaftigkeit.


Im Yoga steht der Begriff Satya für die Wahrhaftigkeit. Dafür die Wahrheit zu sagen und diese auch zu leben. Es geht dabei um viel mehr, als darum nicht zu lügen. Es geht um Authentizität. Man selbst zu sein.


Okay, das klingt ja nicht schlecht. Doch wie soll das bitte funktionieren? Ich habe mich diese Woche auf die Suche nach der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit gemacht und dabei viel über mich selbst gelernt.



Warum lügen wir überhaupt?


Lügen gehören zu unserem Alltag. Eine Notlüge hie und da schadet ja niemanden, oder? Ich kann ja meiner Freundin schließlich nicht sagen, dass ich gerade keine Lust auf unser Treffen habe. Damit würde ich sie doch verletzen. Da ist es besser, wenn ich ihr von meinen furchtbaren Kopfschmerzen erzähle, die es mir leider unmöglich machen sie zu sehen. Ist doch nichts dabei. Schließlich hat sie mich beim letzten Mal auch kurzfristig versetzt. Aber ich bin ja nicht nachtragend, also soll sie es bitte jetzt auch nicht sein.


Kommt dir das bekannt vor? Ich war früher öfter in solchen Situationen und fand sie komplett normal. Gerade Notlügen sind in unserer Gesellschaft sozial anerkannt. Ich habe sie gerne benutzt, um mich aus Situationen zu befreien, die mich sonst aus meiner Komfortzone herausgeholt hätten.


Lügen geben uns die Illusion von Sicherheit und Kontrolle. Sie ermöglichen es uns, unsere wahren Gefühle und Gedanken zu verbergen. Uns nicht komplett zu offenbaren. Uns nicht verletzlich zu machen.

Von der Illusion zur Wahrheit


Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann habe ich schon mein ganzes Leben über Lügen benutzt, um mich zu beschützen. Um ein Bild von mir zu erschaffen, von dem ich glaubte, dass es meinen Idealen entspricht. Von einer starken Frau, der es egal ist, was die anderen tun und über sie sagen. Doch in Wahrheit habe ich damit nicht nur die anderen, sondern in erster Linie mich selbst belogen. Und mich damit ständig verletzt, ohne es zu merken.


Wenn wir uns selbst belügen, dann ist das eine tiefere Verletzung, als jede Wahrheit uns jemals zuführen könnte.

Denn damit akzeptieren wir uns nicht so, wie wir wirklich sind. Und das ist sehr schmerzhaft und zerstört unseren Selbstwert.



Wahrhaftigkeit und Eigenverantwortung


Wenn wir aufhören zu lügen, dann bedeutet das auch, dass wir Verantwortung für uns selbst übernehmen. Dass wir aufhören äußere Umstände als Ausrede für unsere Gefühle zu nehmen. Früher habe ich oft gesagt oder gedacht: "Du hast mich verletzt." oder "Du machst mich wütend."


Bis ich erkannt habe, dass kein anderer Mensch Gefühle in mir auslösen kann, die nicht davor schon im Verborgenen in mir waren.

Wenn ich also zum Beispiel anerkenne, dass kurzfristige Absagen von einer Freundin in mir jedes Mal Gefühle von Enttäuschung und Verletzung hervorrufen, kann ich mir im nächsten Schritt überlegen, was da dahinter steckt. Anstatt also die Verantwortung wieder auf sie abzuschieben ("Sie ist so unzuverlässig." usw.), kann ich mir überlegen, was das mit mir zu tun hat, dass diese Gefühle in mir auftauchen.


Vielleicht erkenne ich dabei, dass dieses Verhalten einen Glaubenssatz in mir feuert, der mich verletzt. Dieser könnte zum Beispiel so lauten: "Du bist nicht gut genug, interessant genug etc., damit andere sich gerne mit dir treffen." Was mich somit wirklich innerlich verletzt, ist gar nicht das Verhalten meiner Freundin selbst, sondern meine Interpretation davon, die vermutlich relativ wenig mit der Realität zu tun hat. Wenn mir das bewusst wird, kann ich zurück in die Eigenverantwortung kommen.


Satya kann mir somit helfen, die volle Verantwortung für mich selbst und meine Gefühle zu übernehmen.


Masken abnehmen und Wahrhaftigkeit leben


Satya steht auch dafür, dass wir uns so zeigen, wie wir wirklich sind. Wir werden eingeladen hinter die Masken zu blicken, die wir tagtäglich aufsetzen.


Sei du selbst – andere gibt es genug. Dich, so wie du bist, gibt es nur einmal.

Und das ist zu Beginn gar nicht so einfach, weil wir uns schon so an unsere Masken gewöhnt haben. Ich habe mich dafür mit ein paar Fragen auseinandergesetzt:


  • In welchen Situationen verbiege ich mich, um anderen zu gefallen?

  • Wie oft sage oder tue ich Dinge nur bzw. nicht, weil ich Angst habe blöd dazustehen?

  • Nehme ich mich selbst so an wie ich bin? Wofür kritisiere ich mich selbst?

  • Wann glaube ich, dass andere besser sind und ich nicht gut genug bin?


Diese Beobachtungen sind sehr wertvoll und können mir helfen mich selbst zu entdecken. Denn wenn mir bewusst ist, wann ich mich verbiege, kann ich mir überlegen, wie ich in Zukunft in diesen Situationen reagieren möchte und mich so Stück für Stück an meinen wahren Kern herantasten. Auch die Situationen, in denen ich mich mit anderen vergleiche, sind sehr wertvoll und lehrreich. (Mehr dazu findest du im Beitrag Vergleichen mit anderen - so nutzt du es für dich!)



Die Geschenke der Wahrhaftigkeit


Satya zu üben erfordert Mut. Mut ehrlich zu uns und anderen zu sein. Mut uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind. Mut zu uns selbst zu stehen. Und Mut unsere volle Größe zu erkennen.


Wenn wir aufhören uns selbst mit Lügen klein zu halten, erkennen wir auf einmal, welches Potenzial in uns steckt.

Wir finden Talente und Fähigkeiten, von denen wir nicht wussten, dass wir sie besitzen. Wir entdecken Träume und Wünsche, die wir uns bisher nicht erlaubt haben.

Wir heben unsere Beziehungen auf eine neue Ebene voller Vertrauen und Tiefe. Und wir wachsen jeden Tag über uns selbst hinaus.


Und all das ist viel schöner als jede Lüge und jede Illusion jemals sein kann. ❤️



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